Berta legt die größten Bio-Eier

22. 05.2015  H Der wesentliche Unterschied der ökologischen zur konventionellen Tierhaltung ist, dass nicht die Ertragsmaximierung im Vordergrund steht, sondern dass die Bedürfnisse des Tieres und die Anforderungen des Menschen gleichermaßen berücksichtigt werden.eute gibt es ein Frühstücksei von Henne Berta. Sie gehört zum mobilem Hühnerstall im Gemeinschaftsgarten Tausendschön. Berta hat alle Rekorde gebrochen. Während Lotta und Frida täglich 68-73g beste Bio – Eier legen, hat Berta’s Ei sensationelle 86 g auf die Waage gebracht. Berta, Lotta und Frida sind für den Gemeinschaftsgarten mehr als nur Eierlieferanten und dumme Hühner sind sie schon gar nicht. Es ist wissenschaftlicher erwiesen, das sie mathematische Fähigkeiten haben und Empathie besitzen und sehr geschickte Jäger sind.

Wussten Sie eigentlich, dass in Deutschland Tag für Tag über 100.000 Hühnerküken – kaum dass sie geschlüpft sind – in den Tod befördert werden? Und das völlig legal – als „normaler“ Bestandteil der „Eier-Produktion“? Das ist die traurige Wahrheit und betrifft die männlichen Küken in allen Haltungsformen von Käfig- bis Bio-Haltung. Der Grund ist ökonomischer Natur, denn Hähne können nun mal keine Eier legen und bei den Hochleistungs-Legerassen setzen sie auch nicht ausreichend Fleisch an, um profitabel gemästet werden zu können. Männliche Küken werden daher in den Brütereien direkt nach dem Schlupf im sogenannten Homogenisator geschreddert oder mit Kohlendioxid erstickt. Es gibt zwar ein Verfahren, mit dem das Geschlecht schon im Ei bestimmt werden kann, aber es ist noch nicht ausgereift und eine überzeugende Lösung ist noch nicht in Sicht.

Ei

Das heißt, vorerst geht das Kükentöten auf unbestimmte Zeit weiter. Allerdings könnten Zyniker die Frage aufwerfen, ob die kleinen Hähne es damit nicht besser getroffen haben als ihre Schwestern. Denn der Zustand der Hennen ist bei allen Haltungsformen oft kläglich. Kaum jemand, der schon mal die Bilder nackter, blutig gehackter und bis zum Umfallen geschwächter Tiere gesehen hat, kann diese je wieder vergessen. Und dass solche Bilder keine Ausnahmen, sondern traurige Regel sind, haben die umfangreichen Recherchen zu unserem kürzlich erschienenen Report: „Ich wollt‘ ich wär‘ kein Huhn“ gezeigt.

Völlig „normal“ in allen Haltungsformen sind: Sterberaten von 11-18 Prozent in der ohnehin nur gut einjährigen Lebensdauer der Hennen; Federpicken, das oft bis zum Kannibalismus ausartet; wunde und entzündete Fußballen sowie Verletzungen des Brustbeins bei jedem zweiten Tier.

Außerdem werden den meisten Hennen die Schnäbel abgetrennt. Das geschieht meist mit einem heißen Infrarotstrahl, in kleineren Brütereien alternativ mit einem glühenden Messer oder Draht. Und das immer ohne Betäubung. Dazu muss man wissen, dass es sich beim Kükenschnabel nicht etwa um eine gefühllose Hornmasse handelt, sondern dass das Gegenteil richtig ist. Der Schnabel bei Hühnern ist ein wichtiges und empfindliches Tastorgan und mit unseren Fingerspitzen vergleichbar.

Wir von foodwatch meinen, dass eine Gesellschaft, die sich darauf geeinigt hat, Tierquälerei zu bestrafen, verpflichtet ist, die beklagenswerten Zustände in der „Nutzierhaltung“ zu beenden. Wir dürfen nicht weiter tatenlos zuschauen, wie Tiere tagtäglich aus ökonomischen Gründen erbarmungswürdig und tierquälerisch gehalten werden. Deshalb treten wir für eine fundamentale Wende in der Tierhaltung ein und fordern:

1. Eine möglichst tiergerechte Haltungsform muss gesetzlicher Mindeststandard in allen Betrieben und für alle Nutztiere werden.
2. Die EU muss zusätzlich zu den Vorgaben für Platz, Auslauf und Stall endlich auch Zielvorgaben für die Tiergesundheit in jedem Betrieb vorschreiben.
3. Das Kontrollsystem muss effizient und transparent werden.
4. Verstöße müssen konsequent geahndet werden.

Für besonders wichtig halten wir die Forderung, nicht nur auf die formalen Haltungsbedingungen, sondern zugleich auch auf die Tiergesundheit zu achten. Damit würde erstmals der tatsächliche Zustand der Tiere zum Kriterium erhoben werden und nicht „nur“ die formalen Haltungsbedingungen. Denn letztlich geht es ja darum, wie es den Tieren geht und wie gesund sie sind. Und das wiederum hängt nicht zuletzt auch davon ab, wie gut sich der einzelne Tierhalter um seinen Betrieb und die Tiere kümmert. Quelle  foodwatch